Die zentrale Rolle der Simulation in der kompetenzbasierten medizinischen Ausbildung
Ein Interview mit Dr. Curtis Nickel
Ein Interview mit Dr. Curtis Nickel
Wir haben mit Curtis Nickel, MD Med FRCPC, Assistant Professor und Clinical Anesthesiologist an der University of Ottawa gesprochen, um zu erörtern, wie Simulation dazu beitragen kann, die kompetenzbasierte medizinische Ausbildung über reine Wissensabfragen hinaus hin zu beobachtbarer, praxisreifer Leistung weiterzuentwickeln.
Sehen Sie sich das Video an oder lesen Sie das folgende Transkript.
„Mein Name ist Curtis Nickel. Ich bin Anästhesiologe in Ottawa an der University of Ottawa und am Ottawa Hospital. Außerdem bin ich als Simulation Educator tätig und war an der Einführung, Umsetzung und der laufenden Weiterentwicklung unserer kompetenzbasierten medizinischen Ausbildung (CBME) in unserem Facharztprogramm beteiligt.
Ich liebe diese Arbeit, weil ich gern unterrichte. Ich arbeite sehr gern mit unseren Assistenzärzten und begeistere mich für Simulation. Und ich freue mich, die nächste Generation dabei zu unterstützen, ihren Weg zu gehen und das, was ich tue, auszuüben – und es hoffentlich sogar noch besser zu machen als ich!“

„Das ist wirklich interessant. Ich denke, Simulation passt hervorragend zu einer kompetenzbasierten Ausbildung – egal ob im medizinischen Bereich oder darüber hinaus. Die Ziele beider Ansätze sind bereits eng aufeinander abgestimmt: Die Simulationsausbildung ist von Natur aus lernendenzentriert, und wir passen die Schwierigkeitsgrade kontinuierlich an.
Gleiches gilt für die kompetenzbasierte Ausbildung. Auch hier geht es darum, den Fokus stärker auf Kompetenzen zu legen und den Ansatz von einem eher systemorientierten hin zu einem stärker lernendenzentrierten Modell zu entwickeln. In diesem Kontext ist der Einsatz von Simulation eine ideale Ergänzung – und etwas, das wir deutlich häufiger nutzen sollten.
Simulation bietet die Möglichkeit, uns von den unteren Stufen des Kompetenznachweises – in der Bloom’schen Taxonomie dem „Wissen, wie“ – hin zu höheren Ebenen wie „zeigen“ und „handeln“ zu entwickeln, also zu einer anspruchsvolleren Bewertung von Wissen und Können. Das ist ein entscheidender Faktor, um Menschen darauf vorzubereiten, nach Abschluss ihrer Ausbildung kompetent in der Praxis zu arbeiten.“

Wir arbeiten schon seit langer Zeit mit CBE und CBME. Kanada hat bereits vor einiger Zeit umgestellt, und die Anästhesie war dabei Vorreiter. Das Wichtigste, was ich gelernt habe, ist, den Lernenden zuzuhören und wirklich zu verstehen, wo sie stehen – ihr Feedback einzuholen und ihre Perspektive als Stakeholder zu berücksichtigen, denn sie sagen Ihnen am besten, wie gut es für sie funktioniert.
Wir entwickeln unser System zunehmend weg von einer auf uns ausgerichteten hin zu einer stärker auf die Lernenden ausgerichteten Perspektive. Holen Sie daher frühzeitig Feedback von Ihren Lernenden ein, um zu verstehen, wie Ihre Bildungsinitiativen wirken. Fühlen sie sich durch den Umfang der Assessments überlastet? Dieses Feedback gemeinsam mit den Rückmeldungen anderer Stakeholder zu berücksichtigen, ist wahrscheinlich der einfachste und effektivste Weg, um die Umsetzung schnell voranzubringen.

„Was mich aktuell am meisten begeistert – sei es auf Konferenzen oder im Austausch mit Kollegen – sind Daten, Datenanalytik und insbesondere Lernanalytik. Denn genau darum geht es bei der kompetenzbasierten Ausbildung: um die Auswertung vieler einzelner Datenpunkte, um fundiert beurteilen zu können, ob eine Person kompetent ist oder nicht.
Wir erfassen diese Daten inzwischen, und gewinnen zunehmend ein besseres Verständnis dafür, welche Daten wirklich relevant sind. Der nächste Schritt besteht darin, diese Daten sinnvoll zusammenzuführen und analytisch auszuwerten.
Wenn man sieht, wie gut einige das bereits umsetzen, ist das beeindruckend. Ich bin überzeugt, dass genau hier die Zukunft liegt – das wird die nächste große Entwicklung sein.“