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Lernprozesse in der kompetenzbasierten Bildung mit SimZones und vrClinicals strukturieren

Ein Interview mit Dr. Laura Klenke-Borgmann
nursing student using vrClinicals in front of other students that are blurred in the background.

Amy Kline, Leiterin für kompetenzbasierte Bildung bei Laerdal, sprach kürzlich mit Dr. Laura Klenke-Borgmann, Director of Simulation Education und Clinical Associate Professor an der School of Nursing der University of Kansas.

In diesem Interview erfahren Sie, wie Dr. Klenke-Borgmann multimodale Simulationsaktivitäten – darunter vrClinicals for Nursing – mithilfe des strukturierten SimZones-Frameworks einsetzt, um Kompetenz aufzubauen.

Sehen Sie sich das Video an oder lesen Sie das nachstehende Transkript.

Amy: “Können Sie sich bitte kurz vorstellen und uns einen Überblick über Ihr Programm geben?”  

Dr. Klenke-Borgmann: “Ich bin Dr. Laura Klenke-Borgmann. Ich bin Director of Simulation Education und Clinical Associate Professor an der School of Nursing der University of Kansas. In meiner Funktion als Director verantworte ich unser Simulationsprogramm sowie unser Simulationscurriculum, das sowohl Studierende im grundständigen Pflegestudium vor der Berufszulassung als auch DNP-Studierende im Graduiertenprogramm umfasst. Dadurch begleite ich Studierende sowohl vor als auch nach ihrem Studienabschluss.”  

students using VR for training in classroom.

Die Denkweise „Bewertung = Note“ verändern

Amy: „Wir möchten mit Ihnen über Ihre Erfahrungen mit kompetenzbasierter Bildung (CBE) sprechen und über einige konkrete Ansätze, die Sie zur Förderung Ihrer Studierenden eingesetzt haben – insbesondere in den Simulationslaboren, aber auch im gesamten Studienprogramm. Welche Herausforderungen haben Sie identifiziert, als Sie an der University of Kansas begonnen haben, Ihr Curriculum auf CBE umzustellen?" 

Dr. Klenke-Borgmann: „Zunächst möchte ich sagen, dass genau das, was ich an CBE besonders schätze, auch der Grund dafür war, warum ich unseren Fokus verändern wollte – nämlich der eigentliche Gedanke hinter der kompetenzbasierten Bildung.

Ich mag die Vorstellung, dass es bei der kompetenzbasierten Bildung stärker um das geht, was Studierende tatsächlich zeigen können, was sie wirklich können und leisten – und dass dies deutlich wichtiger ist als der Input: also das, was wir ihnen sagen, was wir vermitteln oder welche Lernziele wir vorgeben.“ 


„Wir wissen, dass eine große Lücke zwischen Ausbildung und Praxis besteht. Meiner Meinung nach können wir diese Lücke schließen, indem wir uns nicht nur darauf konzentrieren, was wir gelehrt haben, sondern darauf, was Studierende tatsächlich in der Lage sind zu zeigen. Deshalb begeistert mich dieses Konzept so sehr.“

 

„Gleichzeitig bestand eine der Herausforderungen im Sinne der kompetenzbasierten Bildung darin, die traditionelle Denkweise über Lernen und Bewertung zu überwinden – nicht nur bei mir selbst, sondern auch bei den Studierenden und Lehrenden. Also diese Sichtweise, dass Bewertungen vor allem Noten bedeuten: gut oder schlecht, bestanden oder nicht bestanden. ‚Ich habe 97 % erreicht.‘ ‚Ich habe 73 % erreicht.‘

In der kompetenzbasierten Bildung geht es vielmehr darum, was man tatsächlich tun kann und was man zeigen kann. Wie viele Anläufe jemand dafür braucht, kann Teil eines iterativen Prozesses sein. Das Lerntempo kann sich außerdem von dem der Mitstudierenden unterscheiden. Das ist für Studierende oft schwer zu verstehen. Und auch für Lehrende kann es eine Herausforderung sein, dieses Denken zu verinnerlichen.

Amy: „Das ist ein großer Wandel – nicht nur in der Art, wie wir lehren, sondern auch darin, wie Studierende lernen sowie Feedback und Bewertungen erhalten. Es ist eine grundlegende Veränderung für alle Beteiligten. Wie gelingt es Ihnen, alle mitzunehmen?“ 

Dr. Klenke-Borgmann: „Noten waren lange Zeit die Währung der Motivation für Studierende – für das Lernen, das Üben und letztlich auch für ihre Leistung.

Leider ist die Motivation häufig daran geknüpft, eine bestimmte Note zu erreichen – im Guten wie im Schlechten. Fällt die Note als Orientierung weg, fällt es vielen schwer zu verstehen: ‚Was motiviert mich jetzt eigentlich?‘ und ‚Was soll ich erreichen?‘ Wir müssen ihnen sehr deutlich vermitteln, was das bedeutet.

Simulationsaktivitäten mit dem SimZones-Framework strukturieren


Amy:
“Sie haben viel mit dem SimZones-Ansatz gearbeitet, um Ihr Simulationsprogramm weiterzuentwickeln. Können Sie erläutern, wie Sie diesen Ansatz umgesetzt haben und wie Sie verschiedene Lernformate strukturiert eingesetzt haben, um die Lernergebnisse zu verbessern?” 

Dr. Klenke-Borgmann: “Für diejenigen, die SimZones noch nicht kennen: Dabei handelt es sich um ein organisatorisches, stufenweise aufgebautes Framework, das ursprünglich von Roussin und Weinstock entwickelt wurde. Es bietet einen Rahmen für die Planung und Strukturierung eines langfristig angelegten Simulationsprogramms mit dem Ziel, am Ende des Frameworks kompetenzbasierte Lernergebnisse zu erreichen. Es besteht aus fünf Zonen." 

SIMZONEN

 

Zone

0

Auto-Feedback-Simulation

Auto-Feedback-Simulation

Zone

1

Grundlegende Anleitung

Grundlegender Unterricht

Zone

2

Akute SituationsSzenarien

Akuter Situationsunterricht

Zone

3

Team- und Systementwicklung

Team- und Systementwicklung

Zone

4

Echtzeit-De-Briefing & Entwicklung

Echtzeit-De-Briefing & Entwicklung

Zone 0 bedeutet im Wesentlichen, dass Lernende zunächst über das erforderliche Grundlagenwissen verfügen müssen, bevor sie uns etwas zeigen oder bestimmte Aufgaben ausführen können. Genau darum geht es in Zone 0: Wir wissen, dass Studierende mit einem grundlegenden Vorwissen und den erforderlichen Voraussetzungen in eine erfahrungsbasierte Lernumgebung kommen müssen – sei es durch den Unterricht oder durch automatisiertes Feedback aus einer virtuellen Simulation oder ähnlichen Lernformaten.

Sobald die Studierenden dieses Niveau erreicht haben, werden sie gemäß dem Framework in Zone 1 überführt. Dort steht das gezielte Üben psychomotorischer Fertigkeiten im Mittelpunkt. Es geht noch nicht um einen konkreten Kontext, sondern um wiederholtes Üben – beispielsweise das Verabreichen von Medikamenten per intravenöser Injektion oder das Anlegen einer Infusion.

In Zone 2 erreichen die Lernenden die nächste Stufe. Dort wenden sie die psychomotorischen Fertigkeiten aus Zone 1 in einem konkreten Kontext an. Anstatt im Labor isoliert einzelne Fertigkeiten zu trainieren, führen sie diese nun im Rahmen eines Fallszenarios durch. Das ähnelt bereits einer Simulation. Da die Situation jedoch weiterhin begleitet und angeleitet wird, können die Lernenden die Simulation anhalten, Fragen stellen und Feedback von Lehrenden oder Mitstudierenden erhalten. Es ist also eine Simulation, aber mit stärkerem Fokus auf Anleitung und Kontext.

Nach erfolgreichem Abschluss von Zone 2 wechseln die Lernenden in Zone 3. Das entspricht eher dem, was viele als klassische Simulation kennen: Die Teilnehmenden erhalten ein Prebriefing, absolvieren die Simulation ohne Unterbrechungen und werden erst anschließend im Debriefing begleitet.

Zone 4 ist im Grunde keine Simulation mehr. Hier übertragen die Lernenden ihr gesamtes Wissen und ihre Erfahrungen aus den vorherigen Stufen in die klinische Praxis und wenden ihre Kompetenzen im realen Versorgungsalltag an. Das ist nur eine sehr kurze Erklärung der SimZones.


Als ich zum ersten Mal von SimZones gehört habe, dachte ich sofort: ‚Ja, genau das ist es!‘ Es bietet den organisatorischen Rahmen, mit dem wir unsere Studierenden systematisch weiterentwickeln können. Besonders wertvoll ist, dass die einzelnen Schritte so klar dargestellt sind. Dadurch können wir die Lernerfahrungen unserer Studierenden gezielt strukturieren, sicherstellen, dass sie die richtigen Entwicklungsstufen durchlaufen, und vermeiden, sie in Situationen zu bringen, auf die sie a) noch nicht vorbereitet sind und für die wir b) die Voraussetzungen für ihren Erfolg noch nicht geschaffen haben.”

 

Amy: “Genau dort beobachten wir häufig eine kognitive Überlastung. Studierende werden in Simulationen geschickt, obwohl ihnen möglicherweise noch wichtige Übungserfahrungen fehlen. In Zone 1 oder Zone 2 erhalten sie die notwendige Übung und Exposition, sodass sie sich sicher fühlen, später alles zusammenzuführen. Feedback, Coaching und eine solide Grundlage mit ausreichend Übungsmöglichkeiten bereitzustellen – etwas, das auch von der AACN ausdrücklich befürwortet wird – ist dabei von entscheidender Bedeutung.

Vorbereitung auf Multi-Patienten-Simulationen mit vrClinicals 

Hinweis: Dieses Produkt wird aktuell noch nicht im DACH-Raum angeboten.

Amy: „Sie haben in einem Kurs für Studierende im letzten Ausbildungsabschnitt festgestellt, dass diese noch nicht ausreichend auf eine klassische Simulation vorbereitet waren. Können Sie beschreiben, wie Sie diese Herausforderung erkannt haben und wie Sie mithilfe dieses Ansatzes und verschiedener Simulationsaktivitäten eine Lösung für Ihre Studierenden entwickelt haben?“ 

Dr. Klenke-Borgmann: „An der School of Nursing der University of Kansas gibt es seit vielen Jahren im letzten Semester unserer Pflegestudierenden eine Multi-Patienten-Simulation als festen Bestandteil des Curriculums. Sie findet ganz am Ende des Studienprogramms statt, wenn die Studierenden kurz vor dem Abschluss stehen.

Als ich die Leitung übernahm, fiel mir auf, dass die Simulation an sich hervorragend war. Sie war sehr gut konzipiert, durchdacht und wurde von den Lehrenden ausgezeichnet umgesetzt. Aber die Studierenden hatten große Schwierigkeiten. Es fiel ihnen schwer, alle Bestandteile zusammenzuführen: Delegieren, Priorisieren, sich an die psychomotorischen Fertigkeiten aus dem gesamten Studium zu erinnern, alles miteinander zu verknüpfen und gleichzeitig mit Unterbrechungen umzugehen. Das war für sie eine große Herausforderung.


„In meinem ersten Jahr als Director dachte ich deshalb, dass es einen besseren Weg geben muss, sie auf diese Situation vorzubereiten. Wir brauchten einen gezielteren, bewusster aufgebauten und systematisch strukturierten Ansatz, um sie auf diese Simulation am Ende des Studienprogramms vorzubereiten. Genau hier kamen die SimZones ins Spiel.“

 

Ich dachte mir: Wenn wir vom gewünschten Endergebnis aus rückwärts planen und bereits zu Beginn des Semesters gezielt mit der Vorbereitung beginnen, indem wir die Studierenden Schritt für Schritt durch die SimZones führen, können wir sie besser auf diese intensive und mitunter überwältigende Multi-Patienten-Simulation vorbereiten. Und genau das haben wir getan.

Wir haben bewusst mit Zone 0 begonnen. Wir wussten, welches Endergebnis wir erreichen wollten. Uns war klar, dass die Studierenden in Zone 3 in der Lage sein sollten, diese Multi-Personen- und Multi-Patienten-Simulation erfolgreich durchzuführen. Deshalb haben wir rückwärts geplant. Zu Beginn des letzten Semesters stellten wir sicher, dass die Studierenden über das erforderliche Grundlagenwissen verfügten. Gemeinsam mit den Lehrenden und den Kursverantwortlichen sorgten wir dafür, dass die notwendigen Kenntnisse als Fundament vorhanden waren.

Für die psychomotorischen Fertigkeiten, die in der Multi-Patienten-Simulation benötigt wurden, haben wir anschließend einen speziellen Multi-Patienten-Simulationslabortag in das Curriculum integriert. Der Fokus lag auf dem gezielten Üben dieser Fertigkeiten.

Wir haben bewusst eine Laboreinheit geschaffen, in der die Studierenden genau die Fähigkeiten trainieren konnten, die sie später in der Multi-Patienten-Simulation anwenden mussten: Verbandwechsel an zentralvenösen Kathetern, das Legen von Magensonden, die Verabreichung von Medikamenten per intravenöser Injektion oder sterile Verbandwechsel bei Wunden. Wir wussten, dass diese Tätigkeiten im späteren Szenario erforderlich sein würden und dass die Studierenden gerade dort Schwierigkeiten hatten – insbesondere, wenn sie in ihren Praxiseinsätzen wenig Gelegenheit hatten, diese Fertigkeiten anzuwenden. Dieser Labortag stellte für uns Zone 1 dar.

Nachdem die Studierenden diese gezielte psychomotorische Übung absolviert hatten, führten wir sie in Zone 2 über. In dieser Phase findet das Lernen bereits in einem konkreten Kontext statt, die Teilnehmenden können aber weiterhin anhalten, Fragen stellen und Unterstützung erhalten. An dieser Stelle kam vrClinicals ins Spiel."

vrClinicals für die Krankenpflege
vrClinicals für die Krankenpflege ist eine innovative VR-Lösung, die Studierenden dabei hilft, messbare Kompetenz im klinischen Urteilsvermögen aufzubauen. Sie können in einer geschäftigen Krankenhausumgebung mit Unterbrechungen und sich verändernden Patientenzuständen die Versorgung mehrerer Patienten üben und dabei effektives Zeitmanagement, Priorisierung, Delegation sowie die Kommunikation mit Patienten trainieren.

vrClinicals orientiert sich am Clinical Judgment Measurement Model und wurde in Zusammenarbeit von Laerdal, Wolters Kluwer Health und der National League for Nursing entwickelt.

Hinweis: vrClinicals für die Pflegeausbildung wird derzeit im DACH-Raum noch nicht angeboten. Informationen zur Verfügbarkeit in Ihrer Region erhalten Sie von Ihrem Laerdal-Ansprechpartner.

Wir wussten, dass die Studierenden die psychomotorischen Fertigkeiten bereits in Zone 1 geübt hatten. Gleichzeitig wollten wir ihnen eine gute kontextbezogene Vorbereitung auf die kognitiven Fähigkeiten ermöglichen, die in der Multi-Patienten-Simulation erforderlich sind.


„vrClinicals war dafür hervorragend geeignet, weil die Studierenden in der VR-Umgebung genau diese kognitiven Fähigkeiten trainieren konnten: Priorisieren, Delegieren, entscheiden, welchen Patienten sie zuerst aufsuchen und warum, mit Unterbrechungen umgehen und auf unerwartete Ereignisse reagieren, die im Verlauf der Szenarien auftreten.“


Wir waren überzeugt, dass vrClinicals in Zone 2 eine ideale Brücke zwischen den psychomotorischen Fertigkeiten aus Zone 1 und der eigentlichen Vorbereitung auf die Multi-Patienten-Simulation in Präsenz bildet. Die Multi-Patienten-Szenarien in vrClinicals halfen dabei, psychomotorische und kognitive Fähigkeiten zusammenzuführen und die Studierenden auf die Multi-Patienten-Simulation in Zone 3 vorzubereiten.“

Amy: „Ich denke, vrClinicals für die Pflegeausbildung ist eine besonders einzigartige Lösung, weil sie genau diese kontextbezogene Erfahrung ermöglicht, von der Sie gesprochen haben. Es ist schwer nachzuvollziehen, wie man reagieren soll, wenn Unterbrechungen auftreten, während man sich gerade um einen Patienten kümmert. Geht man dann zu einem anderen Patienten? Oder wenn sich der Zustand eines weiteren Patienten verändert – wie wirkt sich das auf die Versorgung der anderen drei Patienten aus? Studierende haben nur selten die Möglichkeit, solche Situationen zu erleben.

Ihnen am Ende des Semesters lediglich diese eine Erfahrung zu bieten – was in vielen Pflegeausbildungen durchaus üblich ist – ohne vorherige Übungsmöglichkeiten und ohne den entsprechenden Kontext, ist eine Herausforderung. Ich glaube, genau dieses Problem haben Sie erkannt. Deshalb freue ich mich sehr zu hören, dass Sie hierfür eine Lösung entwickelt haben, die auch das Training psychomotorischer Fertigkeiten einbezieht.

Wie haben Ihre Lehrenden und Ihre Studierenden auf den Einsatz von vrClinicals und auf das Gesamtkonzept reagiert?“ 

Dr. Klenke-Borgmann: „Für uns war das definitiv eine Umstellung. Es war eine große Veränderung. Zum ersten Mal haben wir VR bewusst und gezielt in unser Curriculum integriert. Sowohl für mich als auch für die Lehrenden, die diese Einheiten begleitet haben, gab es eine Lernkurve. Und auch für die Studierenden war es etwas Neues.

Einzelne Studentin nutzt VR für das Training.

Interessanterweise sind wir zunächst davon ausgegangen, dass die Studierenden uns in Bezug auf Technologie weit voraus sein würden. Das traf auf einige zu, aber viele benötigten deutlich mehr praktische Übung, Einführung und Tutorials, als ich erwartet hatte.

Sie waren eben nicht alle Videospieler, die sofort loslegen und alles intuitiv verstehen. Deshalb waren die Tutorials und Einführungen von vrClinicals sowohl für uns als auch für die Studierenden äußerst hilfreich und notwendig.

Schließlich sollte sich die Erfahrung auf das Lernen und die Entscheidungsfindung konzentrieren – also auf die kognitiven Fähigkeiten, die ich bereits erwähnt habe: Delegieren, Priorisieren und ähnliche Kompetenzen – und nicht auf die Lösung technischer Probleme. Unser Ziel war es, die Lernziele zu erreichen und nicht die gesamte Zeit mit technischen Fragen oder der Bedienung der Controller zu verbringen.

Die Tutorials und Einführungen von vrClinicals waren daher ein großer Vorteil. Sie haben geholfen, alle auf denselben Stand zu bringen, sodass sie sich anschließend auf das eigentliche Lernen konzentrieren konnten.

Die Studierenden haben die Erfahrung wirklich genossen. Für viele war es etwas völlig Neues. Ihnen gefiel dieser innovative Ansatz, Dinge zu üben, für die sie im klinischen Alltag, in Praxiseinsätzen oder sogar in anderen Simulationen nicht immer Gelegenheit haben. Das Eintauchen in diese immersive Umgebung wurde von vielen als sehr wertvoll empfunden.

Während der Debriefings habe ich unzählige Male gehört: ‚Es ist einfach so schwer zu wissen, wo man anfangen soll.‘ Viele Studierende sagten: ‚Ich kam auf die Station und dachte nur: Was mache ich jetzt? Wo gehe ich zuerst hin? Wen versorge ich zuerst? Wie fange ich überhaupt an?‘

Ich denke, genau darin liegt eine der größten Stärken dieses Produkts: seine Realitätsnähe."

 


„Wir wissen, dass viele Berufsanfänger unter einer Art Analyse-Paralyse leiden: ‚Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich denke über alles gleichzeitig nach und weiß nicht, wie ich überhaupt starten soll.‘ Genau das wurde in den Debriefings nach unseren VR-Sitzungen immer wieder deutlich. Für die Studierenden war es sehr wertvoll, diese Erfahrung zu machen: ‚Jetzt liegt die Entscheidung bei mir. Ich muss handeln und den ersten Schritt machen.‘ Gerade diesen realistischen Aspekt haben sie sehr geschätzt.“

 

Fortschritte mithilfe von Simulationsdaten bewerten


Amy: „Wie haben Ihre Lehrenden und Studierenden auf diesen vollständig strukturierten Ansatz reagiert? Konnten Sie bereits bessere Ergebnisse beobachten?“ 

Dr. Klenke-Borgmann: „Die endgültigen Daten liegen uns noch nicht vollständig vor, aber wir erheben bereits Daten aus der Multi-Patienten-Simulation. Dazu nutzen wir unter anderem eine Kompetenz-Checkliste, mit der wir die Studierenden anhand der Kompetenzen bewerten, die wir entwickeln möchten. Dazu gehören grundlegende Aspekte wie eine korrekte Beurteilung von Händehygiene und Sicherheit, die Einhaltung der sechs Regeln der Medikamentengabe, die Kommunikation mit Patienten sowie das klinische Urteilsvermögen. Darüber hinaus betrachten wir auch höher entwickelte Kompetenzen, die am Ende des Studienprogramms besonders wichtig sind, etwa Priorisierungsfähigkeiten, den Umgang mit Unterbrechungen und ähnliche Aspekte.

Außerdem erfassen wir nach Abschluss der Multi-Patienten-Simulation die kognitive Belastung der Studierenden. Dafür verwenden wir den NASA Task Load Index. Dabei handelt es sich um ein valides und zuverlässiges Instrument zur Messung der subjektiv wahrgenommenen kognitiven Belastung. Es umfasst Fragen zur zeitlichen Belastung – also wie stark sich die Teilnehmenden unter Zeitdruck fühlten –, zur körperlichen Belastung, zur kognitiven Belastung sowie zu weiteren Faktoren, die auf einer Likert-Skala bewertet werden.

Im vergangenen Jahr haben wir diese Erhebung bereits mit einem Studierendenjahrgang durchgeführt. Nun erfassen wir dieselben Daten bei dem aktuellen Jahrgang, der diese strukturierte Vorbereitung durchlaufen hat. Wir sind sehr gespannt auf die endgültigen Ergebnisse und darauf, ob sich die kognitive Belastung durch diese gezielte Vorbereitung tatsächlich verringert hat.

Ich glaube außerdem, dass die Studierenden diesen Ansatz sehr schätzen. Durch die Einbindung von VR handelt es sich nun wirklich um einen multimodalen, strukturierten Lernansatz. In Zone 1 steht das gezielte Üben im Mittelpunkt, in Zone 2 setzen wir VR ein.

Die Studierenden absolvieren in Zone 2 zwei VR-Sitzungen im Abstand von einer Woche. Zunächst bearbeiten sie ein Szenario mit drei Patienten. Eine Woche später steigern wir die Komplexität und wechseln zu einem Szenario mit vier Patienten. Damit haben wir auch vrClinicals selbst stufenweise in das Konzept integriert.

In der eigentlichen Multi-Patienten-Simulation arbeiten die Studierenden anschließend mit standardisierten Patienten sowie mit High-Fidelity-Manikins. Die Multi-Patienten-Simulation kombiniert also verschiedene Arten von Patienten. Vom Beginn bis zum Ende des Lernprozesses haben wir praktisch alle verfügbaren Lernmodalitäten integriert.“ 

Amy: „Ich denke, Sie haben die verschiedenen Lernformate gezielt genutzt, um die gewünschten Lernergebnisse bestmöglich zu unterstützen. Es gibt Fähigkeiten, die sich besonders gut mit Manikins trainieren lassen, und andere, bei denen standardisierte Patienten Vorteile bieten. VR eröffnet wiederum Möglichkeiten, die andere Methoden nicht bieten, während auch Task Trainer weiterhin ihre Berechtigung haben.

Deshalb ist es so wichtig, die gewählte Lernmethode an das jeweilige Lernziel anzupassen. Verschiedene Lösungen miteinander zu kombinieren, wie Sie es getan haben, zeigt sehr eindrucksvoll, dass erfolgreiche Ausbildung nicht auf einer einzigen Methode beruhen muss, sondern von einem durchdachten Zusammenspiel unterschiedlicher Ansätze profitiert.“ 

Wichtige Erkenntnisse

Die Bedeutung von CBE liegt darin, dass der Fokus auf den Lernergebnissen statt auf den Lerninputs liegt – ein spannender, aber auch herausfordernder Perspektivwechsel für Studierende und Lehrende.

Das SimZones-Framework bietet einen strukturierten, stufenweisen Ansatz zur Gestaltung longitudinaler Simulationsprogramme, um Kompetenzen aufzubauen und Studierende auf komplexe klinische Szenarien vorzubereiten.

vrClinicals für die Pflege kann das SimZones-Framework unterstützen, indem es eine kontextbezogene Übung kognitiver Fähigkeiten ermöglicht und so die Brücke zwischen dem Training psychomotorischer Fertigkeiten und der Multi-Patienten-Simulation schlägt.

Entdecken Sie diese Ressourcen, um mehr über die Arbeit von Dr. Klenke-Borgmann mit SimZones zu erfahren:

Artikel in Nurse Educator: SimZones-Ansatz für eine kompetenzbasierte strukturierte klinische Prüfung

Podcast-Episode von NLN NursingEDge Unscripted: Kompetenzbasierte Bildung durch Simulationen in der Pflege gestalten